hekate,
die finstere?

eine der ältesten, griechischen versionen der dreifachen göttin. hekate hatte ihren ursprung in der ägyptischen göttin der geburtshelferinnen, heqit oder heket oder hekat, die sich wiederum aus der heq oder stammesmutter des vordynastischen ägypten entwickelte. letztere war eine weise frau; sie beherrschte die hekau oder "mütterlichen worte der kraft".

heqit, in der alle sieben hathors verschmolzen, befreite als himmlische geburtshelferin jeden morgen den sonnengott. ihr heiliges tier war der frosch, ein symbol für den fötus. noch viertausend jahre später, als sie für die christen zur "königin der hexen" wurde, war ihr dieses tier geweiht.
in griechenland war hekate einer der vielen namen für die ursprüngliche weibliche trinität, die über den himmel, die erde und die unterwelt herrschte. die hellenInnen betonten bei ihr mehr den aspekt des alten weibes oder der unterwelt, verehrten sie aber, besonders mit riten und zauberei, wahrsagerei und totenbeschwörung, weiterhin auf plätzen, an denen drei straßen zusammentrafen.
ihre bilder schützten viele jahrhunderte lang kreuzwege aus drei wegen, weshalb sie auch hekate trivia, die "hekate der drei wege", hieß. in vollmondnächten wurden ihr auf den altären am wegesrand opfer dargebracht. insbesondere reisende huldigten ihr vor und während der reise als göttin der zauberei und wahrsagerei.
hekate wurde als "allerliebste", einem titel des mondes, angerufen. ihre drei aspekte hingen, wie alle erscheinungsformen der dreifachen göttin, mit dem mond zusammen. einigen überlieferungen zufolge verkörperte sie im himmel hekate selene, den mond, auf erden die jägerin artemis und in der unterwelt die zerstörerin persephone.
ältere
quellen sprechen von ihr als hekate selene, dem weitfliegenden mond, der mutter des dionysos, obwohl dionysos eigentlich der sohn von persephone war. das zeigt, daß hekate und persephone oft miteinander verwechselt wurden.
hekate wurde manchmal mit diana ilithyia, der mondgöttin in ihrer funktion als beschützerin der gebärenden frauen, gleichgesetzt. manchmal gehörte sie auch zu der trinität der himmelskönigin, die aus der jungfrau hebe, der mutter hera und hekate, dem alten weib bestand.

porphyrios schrieb über sie:
"der hekate ist als symbol ihrer veränderlichen phasen der mond zugeordnet. ..... ihre macht drückt sich in drei erscheinungsformen aus. als symbol des neumondes ist sie in ein weißes gewand gehüllt, trägt goldene sandalen und wird von brennenden fackeln umgeben. der korb, den sie bei ihrem aufstieg trägt, symbolisiert den anbau des getreides, das sie je nach der menge des von ihr gespendeten lichtes gut oder schlecht wachsen ließ."

spätgriechische autoren ersannen eine ziemlich gesuchte erklärung für hekates reise vom himmel zur unterwelt, einer ursprünglich mythischen metapher für den untergang des mondes. weil sich hekate einmal im haus einer gebärenden aufgehalten hatte, fürchteten sich die götter vor einer magischen ansteckung durch das geburtsmana und stießen sie in den fluß acheron, um alle spuren davon abzuwaschen.
der fluß trug hekate in die unterwelt, wo sie hades heiratete. dieser mythos entstand aus patriarchalischen ängsten vor dem kontakt mit gebärenden frauen. die geschichte von hekates flußreise ging wahrscheinlich auf einen brauch zurück, bei dem mutter und kind nach dem wochenbett in einem heiligen fluß ein rituelles bad nahmen.
das frühe mittelalter kannte hekate als königin der geisterwelt oder als königin der hexen. die katholischen geistlichen verteufelten sie besonders, denn ihrer meinung nach stellten die menschen, die sich unter das patronat hekates begaben, also die hebammen, die schlimmste gefahr für das christentum dar.

aus: das geheime wissen der frauen, ein lexikon von barbara g. walker, dtv, ffm 1993

 

 

bäck to hek geschenktexte